31.10.2026
Ist Photovoltaik für die Heizung sinnvoll? Was Hausbesitzer wissen müssen
Ist Photovoltaik für die Heizung sinnvoll? Die kurze Antwort lautet ja, wenn deine Heizung mit Strom läuft und das Haus nicht zu viel Wärme braucht. Eine Gasheizung kann Solarstrom nicht nutzen, eine Wärmepumpe schon. Die größte Hürde ist die Jahreszeit: Deine Anlage liefert im Sommer am meisten, geheizt wird aber im Winter. Wie viel Solarstrom realistisch bei der Heizung ankommt und wie du diesen Anteil erhöhst, zeigt dieser Ratgeber.
Von: Tom Heess
Das Wichtigste in Kürze
- Solarstrom treibt nur elektrische Heizsysteme an, in der Praxis meist die Wärmepumpe.
- Ohne Batteriespeicher deckt eine Anlage bei einem Einfamilienhaus etwa 20 bis 30 Prozent des jährlichen Strombedarfs für Haushalt und Wärmepumpe, mit Speicher bis zu 40 Prozent.
- Komplett vom Netz unabhängig wird kein Haus, weil im Winter der Solarertrag fehlt.
- Je besser gedämmt das Haus ist und je niedriger die Vorlauftemperatur, desto mehr Solarstrom kommt der Heizung zugute.
- Ein Energiemanager verschiebt den Heizbetrieb in die Stunden mit Sonnenstrom.
Wann ist Photovoltaik für die Heizung sinnvoll?
Photovoltaik für die Heizung ist sinnvoll, wenn das Heizsystem Strom nutzt, das Gebäude wenig Wärme braucht und die Anlage groß genug geplant wird. Bei Gas oder Öl hilft Solarstrom nicht. Bei einer Wärmepumpe senkt er die Stromkosten, ersetzt aber nie den Netzanschluss.
Zwei Kennzahlen helfen bei der Einordnung. Der Eigenverbrauchsanteil ist der Teil des erzeugten Solarstroms, den du selbst nutzt, statt ihn einzuspeisen. Der Autarkiegrad ist der Teil deines gesamten Strombedarfs, den dein Solarstrom abdeckt.
Beide Werte hängen stark vom Heizwärmebedarf ab. Je weniger Energie dein Haus zum Heizen braucht, desto unabhängiger wirst du vom Netzstrom, wie die Verbraucherzentrale Hamburg betont. Ein gut gedämmter Neubau profitiert deshalb deutlich mehr als ein unsanierter Altbau.
Warum eine Wärmepumpe der beste Partner für die Solaranlage ist
Eine Wärmepumpe passt am besten zu Photovoltaik, weil sie ohnehin mit Strom arbeitet und sich flexibel steuern lässt. Läuft sie bevorzugt mittags, kommt ein größerer Teil des Solarstroms direkt im Heizsystem an, statt ins Netz zu fließen.
Eine Wärmepumpe ist ein Heizsystem, das mit Strom Wärme aus Luft, Erdreich oder Grundwasser auf ein nutzbares Temperaturniveau hebt.
Wer eine Heizung mit Photovoltaik kombinieren will, sollte auf eine modulierende Wärmepumpe achten. Sie passt ihre Leistung stufenlos an und läuft dafür länger mit weniger Strom. Laut der Verbraucherzentrale Rheinland‒Pfalz kann dadurch mehr Solarstrom in den Betrieb fließen, und der Eigenverbrauch steigt.
Ein Haken bleibt: Mit Wärmepumpe nimmt der Eigenverbrauchsanteil zu, der Autarkiegrad sinkt aber, weil die Pumpe vor allem im Winter läuft, wenn kaum Solarstrom entsteht. Die Kombination spart Stromkosten, macht dich aber nicht unabhängig vom Netz.
Warum die Sonne im Winter nicht reicht und was ein Batteriespeicher ändert
Eine Photovoltaikanlage erzeugt den meisten Strom im Sommer, die Wärmepumpe braucht ihn im Winter. Deshalb deckt die Anlage bei einem Einfamilienhaus ohne Batteriespeicher etwa 20 bis 30 Prozent des jährlichen Strombedarfs für Haushalt und Wärmepumpe. Mit Speicher sind nach Angaben der Verbraucherzentrale Hamburg bis zu 40 Prozent möglich.
Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz hat das an einem Beispielhaus durchgerechnet: 140 Quadratmeter, vier Personen, 4.000 Kilowattstunden Haushaltsstrom und eine Anlage mit 10 Kilowattpeak auf einem Süddach mit 45 Grad Neigung. Ohne Speicher lagen Eigenverbrauchsanteil und Autarkiegrad jeweils bei 28 Prozent. Mit einem Speicher von 6 Kilowattstunden nutzbarer Kapazität stiegen sie auf 47 und 45 Prozent.
Der Speicher verschiebt Tagesstrom in den Abend und die Nacht. Das Gefälle zwischen Sommer und Winter gleicht er nicht aus, denn Tage oder Wochen kann er nicht überbrücken. Was ein Speicher kostet und wann er sich rechnet, erfährst du im Beitrag zu den Kosten für einen Stromspeicher.
Wie du mehr Solarstrom in die Heizung bringst
Mehr Solarstrom kommt in der Heizung an, wenn du den Heizbetrieb an die Sonne koppelst und den Wärmebedarf senkst. Dazu gehören ein Energiemanager, der die Wärmepumpe bei Überschuss anstößt, ein Wärmespeicher, eine niedrige Vorlauftemperatur und eine gute Dämmung.
Ein Energiemanager misst Erzeugung und Verbrauch und gibt der Wärmepumpe das Signal, wenn Überschuss da ist. Voraussetzung ist eine passende Schnittstelle an der Wärmepumpe. Dann lassen sich Warmwasserspeicher oder Pufferspeicher bei Sonne etwas höher aufheizen, und der Überschuss muss nicht ins Netz. Auch eine Nachtabsenkung kann laut Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz die Nutzung von Solarstrom verbessern. Bei uns übernimmt diese Steuerung der Plexlog Energiemanager.
Der zweite Hebel ist die Vorlauftemperatur. Jedes Grad mehr bedeutet laut Verbraucherzentrale Hamburg rund vier Prozent mehr Stromverbrauch. Wer die Vorlauftemperatur von 55 auf 45 Grad senkt, spart bei 20.000 Kilowattstunden Wärmebedarf in zehn Jahren etwa 6.600 Euro Stromkosten, gerechnet mit 25 Cent je Kilowattstunde. Möglich wird das mit größeren Heizflächen, einer passenden Heizkurve und einem hydraulischen Abgleich.
Lohnen sich Heizstab und Infrarotheizung mit Solarstrom?
Heizstab und Infrarotheizung funktionieren mit Solarstrom, sind aber weniger effizient als eine Wärmepumpe. Sie wandeln eine Kilowattstunde Strom in höchstens eine Kilowattstunde Wärme um, die Wärmepumpe liefert aus derselben Menge deutlich mehr. Sinnvoll sind sie meist nur als Ergänzung.
Ein Heizstab im Warmwasserspeicher kann Überschuss im Sommer nutzen, wenn die Anlage mehr liefert, als das Haus braucht. Das senkt den Strombezug für Warmwasser, ohne dass du das Heizsystem tauschen musst. Eine Infrarotheizung eignet sich für einzelne, gut gedämmte Räume oder als Ergänzung in der Übergangszeit.
Als alleinige Heizung für ein ganzes Haus treibt sie den Stromverbrauch hoch. Genau dieser Strom fehlt dann im Winter, wenn deine Anlage am wenigsten liefert.
Wie groß muss die Solaranlage für die Heizung sein?
Die Anlage richtet sich nach dem gesamten Strombedarf aus Haushalt und Wärmepumpe, nicht nur nach dem Haushaltsstrom. Entscheidend ist, wie viel Wärme das Haus braucht und wie effizient die Pumpe arbeitet. Je mehr Strom die Wärmepumpe verbraucht, desto kleiner ist der Anteil, den dieselbe Anlage vom Gesamtbedarf deckt.
Der Verbrauch der Wärmepumpe hängt vom Heizwärmebedarf und der Vorlauftemperatur ab. Eine pauschale Zahl wäre deshalb irreführend. Wie du die Anlagenleistung aus deinem Jahresverbrauch ableitest, erklärt unser Beitrag, wie du die Anlagengröße richtig berechnen kannst.
Ein Punkt gehört an diese Stelle: Maximale Autarkie und maximale Wirtschaftlichkeit schließen sich laut Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz aus, weil die Komponenten für hohe Autarkie verhältnismäßig groß ausfallen müssen. Die Verbraucherzentrale Hamburg nennt als Richtwert, dass der Eigenverbrauchsanteil aus wirtschaftlicher Sicht möglichst nicht unter 30 Prozent der erzeugten Menge liegen sollte. Wir planen Anlage, Speicher und Wärmepumpe deshalb gemeinsam, statt nach Faustformeln zu dimensionieren.
Über den Autor:
Tom Heess
Geschäftsführer
Nach mehreren Jahren intensiver Arbeit und Erfahrungssammlung auf den Dächern, bei der Montage von Photovoltaikanlagen und der Vorbereitung für Elektriker, habe ich, Tom Heess, immer tiefer in die Welt der Solarenergie eintauchen können.